Das neue "Baby" durfte zum ersten Mal
von Sudan Jackson
Hallo Leute,
Mein neues "Baby" durfte zum ersten mal das Licht der Vergangenheit
erblicken...
Achtung: ewig langer Beobachtungsbericht von eine sehr kurzen Spechtel-Nacht:
Heute Abend war es endlich soweit: mein neues Fernrohr sollte mir endlich mal
die Sterne zeigen wie ich sie bisher noch nicht gesehen habe. Beim Tag der
offenen Tür bei Ransburgs habe ich mich fast verliebt in einen kleinen,
schnuckeligen 80/400 FH der Marke Skywatcher – war leider nicht so
richtig sicher ob ich ihn mit nach Hause nehmen wollte. Aber nach einigen
Recherchen im Internet und den vielen Berichten die bestätigten, dass die Geräte
doch ihre Reize haben, habe ich in der Woche nach unserer ersten Begegnung bei
TS angerufen und den kleinen FH mit einem Aufkleber mit meinem Namen versehen
lassen.
Bei TS waren sie sehr nett – das Gerät stammte aus der Schnäppchen-Ecke und
war mit Schellen und Sucher immer noch in der Originalverpackung. Dabei waren
allerdings keine Okulare und kein Prisma. Aber für ganze 120 You-Ro’s
bin ich mit Sköpchen und 90-grad Zenitspiegel unterm Arm nach Hause gefahren.
Wie der Murphy es so will, war ab da nur noch der die nasse Wolkendecke zu
sehen, also mussten Bäume, Schornsteine, vermooste Dachziegel und ein paar Vögelchen
als ersten Test dienen. Am Tag liefert der Kleine FH mit einem 25mm Okular
ein unglaublich sauberes, knackiges Bild. Zum Vergleich habe ich meinen 6"
Newton daneben aufgestellt und muss sagen, dass das Bild im Kleinen einfach viel
kontrastreicher war. Bei Refraktoren mit so kurzer Brennweite (f/5) muss man den
Farbfehler in Kauf nehmen. Der ist deutlich zu sehen bereits ab 40x Vergrößerung
- besonders wenn ein Zielobjekt nicht im Fokus liegt. Ich würde aber nicht
sagen, dass der Fehler unerträglich ist.
Also heute Abend war es aber endlich so weit: Klarer Himmel!!! Nun wollte
ich es wirklich wissen: wie groß ist denn der Unterschied zwischen meinem
150/750 Newton und dem kleinen 80/400 Refraktor… Ein „Showdown“ wie in den
Westernfilmen (ich spiele gerade das Lied vom Tod ;-)) Beide kommen aus dem Haus
Synta also fand ich diesen kleinen Showdown gerechtfertigt (ich weiss, man kann
einen kleinen Refraktor mit einem größeren Newton nicht vergleichen –
allerdings man kann einfach die Unterschiede aufzeigen…).
Also raus in den Garten: der Kleine auf der EQ3-2 und der Große <dobson-montiert
(selbstbau). Angeschaut wurden Jupiter, Saturn und Mond. Die OAZ’s bei beiden
Geräten sind relativ ähnlich, aber hier gewinnt der Newton eindeutig.
Beim kleinen Refraktor gibt es beim Fokussieren leider kleine „Sprünge“ im
untersten Millimeter-Bereich. Aber es geht – auf der EQ3 steht das Ding
absolut bombenfest. Da ist gar nix mit wackeln (der EQ3 wird immer wieder
„Wackel-Dackel“ genannt, zu unrecht finde ich). Aber gut – ein so
kleines Teleskop wiegt ja auch so gut wie nichts also bleibt die Montierung sehr
ruhig beim Fokussieren, Biegsamewellendrehen oder sogar bei unbeabsichtigtem
Dagegentreten.
Beide Geräte habe ich von innen komplett mit Velourfolie ausgekleidet und den
Kleinen habe ich auf Hochglanz-Schwarz umlackiert damit die beiden aussehen wie
Brüder ;-) Also los ging’s mit Spechteln:
Erstes Objekt: Jupiter. Der kleine FH wurde mit 6x30 Sucherfernrohr auf
Jupiter ausgerichtet und beim ersten Blick ins Okular war es ein Volltreffer.
Sucher und Hauptoptik gut synchronisiert, ohne dass ich vorher versucht habe
beide zu justieren. Glück, vielleicht. 25mm Okular rein und – das
habe ich nicht erwartet. Wow – klein aber fein (Rohr und Jupiter im
Okular). Absolut scharf und sehr ruhig war das Bild. Ich habe diesen
Anblick lange genossen und entschied mich dann für die nächste Vergrößerungsstufe.
Also rein mit dem 6mm Weitwinkel von TS. Schöööön. Aber gut –
da war der Farbfehler sehr deutlich zu sehen. Anstatt schön weiss mit
etwas leicht-braunem Wolken-Bereich habe ich einen leicht gelb angehauchten, mit
Blau-Rotem Rand umgebenen Kugel gesehen. Aber glaubt nicht, dass das nur
schlimm war. Die Wolkenbänder waren sehr deutlich zu sehen, sogar mit
etwas Struktur. Ach ja – was war denn da beim Jupi heute? Ich habe
am Südpol eine recht große Abdunkelung sehen können die mir bisher nicht
aufgefallen war. War zuerst nicht sicher, ob es mit dem „Farbfernsehen“ zu
tun hatte, aber im Newton war’s auch da. Sah aus wie mehr
Wolken-Strukturen…
Aber zurück zum Showdown. Der kleine machte sich da extrem gut bei 66,6x
Vergrößerung. Ich war begeistert. Es wird immer wieder gesagt, dass so
ein Teleskop kein Planetengerät sei. Das mag sein, aber wenn das kleine Ding
mit in den Urlaub kommen soll, dann reicht dieses Bild vollkommen aus!
Jetzt war die Frage der maximal sinnvollen Vergrößerung zu knacken.
Barlow drauf, noch mal am Okular kleben und dann – tja: 133x und immer noch
ein schöner Anblick. Das Seeing war nicht das Beste, aber einigermaßen Ruhig
war’s schon. Ich habe noch mehr Details erkennen können aber das Bild
ist doch etwas dunkler geworden. Trotzdem immer noch schön knackig und
noch etwas gelber als bei der Hälfte der Vergrößerung. Dann rüber zum
Newton wo ich versucht habe ungefähr die gleich Vergrößerung hinzukriegen.
Schöööön auch. Aber nicht so scharf wie beim kleinen FH… Der Newton
lieferte letztendlich das Bild mit den schöneren „Naturfarben“ ;-), aber
irgendwie fand ich mich länger beim Refraktor sitzen. Ein paar mal hin
und her zwischen den Geräten und der endgültige Urteil ist dass der Newton ein
helleres, freundlicheres Bild liefert. Aber nicht so scharf wie beim FH (habe
ich das schon erwähnt?).
OK folks – Alle werden mich hauen wollen oder behaupten ich habe
„Wendl-Syndrom“, aber ich musste es versuchen: in den kleinen FH habe ich
ein 4mm Okular auf 2x Barlow gesteckt –> macht ganze 200-fache Vergrößerung.
Was glaubt ihr? Das maximal Sinnvole überschritten und nur Matsche gesehen?
Falch: immer noch ein schönes, detailreiches Bild! Allerdings noch mehr in
Farbe versoffen, aber doch erträglich. Wie gesagt – das Ding soll mit
auf die Reise und ist keineswegs aus Hauptspechtler gedacht. Da kann man
mit etwas Verfärbung leben ;-) Dann mit dem Newton auf 200x vergrößert
und – schluck – da wackelte es ganz schön was. Der Newton mittlerweile eine
Stunde draußen, also warum? Der ist einfach viel empfindlicher gegen das
Streulicht und die umliegenden Häuser… Das war sehr deutlich zu
erkennen! Aber das Bild war im Newton bei 200x immer noch schön hell und
doch ansehenswert. Der kleine FH konnte auf jeden Fall noch etwas
mithalten – auch wenn mit erheblichem Farbfehler, immerhin mit weniger
„Wabern“.
Dann kamen Saturn und Mond dran. Beim Saturn habe ich mich nicht lange
aufgehalten – wichtig war einfach zu sehen ob ich Cassini und Schatten
hinbekomme – und das habe ich! Das hatte mir gereicht. Saturn habe
bis zum Abwinken im Newton in den kalten Monaten gesehen, also musste ich hier
keinen Vergleich machen. Wollte nur sehen, ob Saturn in einem 80/400 Spass
machen kann. Die Antwort ist „ja“ – das macht Spass. Habe auch ganz
leicht die Strukturen auf dem Planeten sehen können.
Dann zum Mond. UNGLAUBLICH!!! So scharf habe ich den Mond im Newton noch
nicht gesehen. Der absolute Hammer – die Krater sprangen mir voll ins
Gesicht. Da waren Strukturen die mich an einem Fluss erinnerten, jede Menge
Krater mit schönen Schatten und die schönen Flachebenen der Mare. Die Farbe
war wirklich im Bereich des Erträglichen. Nur am Rand vom Mond gab’s das
Rot-Blaue, aber das störte mich gar nicht. Ich habe noch nie so lange den Mond
beobachtet wie heute Abend. Alle Vergrößerungsmöglichkeiten mit meinen
Okularen + Barlow wurden ausprobiert, und bei allen Vergrößerungen – auch
200x - war es ein Genuss. Mensch war das toll! Ich habe nicht mehr
wegsehen wollen. Aber gut – noch mal Jupiter und viel hin & her vom Scope
zu Scope.
Irgendwie bin ich nicht ganz sicher wie der Ausgang des Duells ist. Der
kleine FH ist bei den Planeten doch nicht so schlimm wie Alle behaupten (für
meinen Anfänger-Geschmack, wohlgemerkt). Da geht ganz schön was und wenn man
unterwegs ein kleines Gerät bei sich haben will das leicht zu handeln, schnell
beim Abkühlen und trotzdem „Durchguckenswert“ ist, dann kann man den 80/400
FH von Skywatcher definitiv empfehlen. Für’s „seriöse“
Spechteln allerdings doch nicht die erste Wahl – da ist der 6“ Newton klar
im Vorteil.. Deepsky konnte ich gar nicht mehr probieren – da kamen schon die
Wolken ;-(( Ich stelle mir das aber doch schön vor mit dem Kleinen. Der
Blick in die Sterne mit dem 25mm Plössel war schon „breathtaking“. So
ein Anblick blieb mir im Newton bisher fremd…
Gut’s Nächtle, und bis zur nächsten Spechtel-Runde,
Sudan